Wo ist die Mitte?
Eine Idealstruktur hat unser Dekanat sicher nicht. Aber das ist nichts Ungewöhnliches für ein oberbayerisches Dekanat. So gibt es im Fürstenfeldbrucker Dekanat keinen zentralen Ort, der sich als Dreh- und Angelpunkt zur Identifikation anbietet. Fürstenfeldbruck? Entlang den S-Bahn-Linien gibt es eine Kette von Ortschaften, zum Teil mit respektabler Größe und regem Eigenleben. Einige liegen sogar in verschiedenen Landkreisen. Städtisch oder ländlich? Alles ist vertreten. Hinter Grafrath und Maisach erstreckt sich eine ausgedehnte, ländliche Diaspora in freundlicher Landschaft. Andere Gemeinden sind städtisch geprägt. Dazu gibt es noch die reizvollen Naherholungsgebiete im Bereich der 5-Seen-Region zwischen Gilching und Herrsching - Andechs inbegriffen.
Was passiert im Dekanat?
Für die meisten Gemeindeglieder dürfte es belanglos sein, zu welchem Dekanat sie gehören. Ihnen liegt in der Regel die eigene Gemeinde näher. Aber bereits für ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist das Dekanat von Bedeutung und erst recht für die Hauptamtlichen. Das "Dekanat" ist Organ der Kirchenaufsicht: Der Dekan beurteilt, visitiert, beruft Pfarrkonferenzen ein, wirkt bei Stellenbesetzungen mit, sitzt dem Dekanatsausschuss vor...
Der "Dekanatsbezirk" ist dagegen eine Kooperationsebene. Sie bietet Fortbildungen für ehrenamtlich Mitarbeitende an, entlastet und berät die Gemeinden mit den "Werken" (Bildungswerk, Diakonisches Werk, Jugendwerk). Eine Materialstelle für den Religionsunterricht steht Nutzern offen. Vor allem ist das Dekanat für die Pfarrer und alle weiteren Hauptamtlichen eine wichtige Kontaktstelle. Sie fördert den Austausch und gegenseitige Hilfe unter den Pfarrern, Pfarrerinnen und Gemeinden. Eine Verwaltungsstelle mit Sitz in Weilheim sorgt für die Entlastung bei der Verwaltungsarbeit. Die Zeit der Gründerjahre hat ein kooperationsbereites Klima geschaffen, das inzwischen zu den guten Traditionen gehört, die weiterwirken.
Ulrich Finke
Durchs freundliche Ausland
Wenn sich der Dekan von seinem Dienstsitz Fürstenfeldbruck auf direktem Wege zu seinen Gemeinden ins ferne Würmtal aufmacht, passiert er fremdes Terrain - die Stadt Germering. Eine Folge der Gebietsaufteilung, die eine Schneise schlug und das Grenzprofil des Dekanats zerfurchte. Nach einer Pfarrbeschreibung aus dem Jahre 1913 gehörte Germering ebenso wie die frisch gegründete "Gartenkolonie Gröbenzell" zur Gemeinde Fürstenfeldbruck. Beide Gemeinden kamen später zum Dekanat München und "verschmähten" die Chance, sich dem neu gegründeten Dekanat Fürstenfeldbruck anzuschließen, obwohl zum Landkreis Fürstenfeldbruck gehörig. So etwas schmerzt natürlich den Dekan, so oft er durch Germering fährt. Da dort freundliche Kollegen tätig sind und man unter Christen friedlich sein soll, bestehen trotzdem gute Beziehungen zum "freundlichen Ausland". Also nimmt Dekan Finke regelmäßig ein kurzes Bad in der Germeringer Bucht, knüpft lockeren Kontakt und setzt seinen Weg fort, um wieder ins eigene Dekanat zu gelangen. Kein Grund für eine Profilneurose.
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